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WEARABLES – WAS IST DAS ÜBERHAUPT?

Ein kleiner Überblick über Einsatzmöglichkeiten im Alltag

Der Blog-Beitrag zum Thema „Wearables“ wurde verfasst von Tanja Dirschnabel, Studierende des BVS-Lehrgangs „Digital Innovation Manager NDS HF“

Der Begriff Wearables steht für kleine, vernetzte Computer, die am Körper getragen werden.
Es geht also um alle technischen und elektronischen Geräte, die man am Handgelenk, um den Hals oder als Brille tragen kann wie z.B. intelligente Armbänder, spezielle Kleidungsstücke mit Zusatzfunktionen, Smart Watches und Datenbrillen.
Das Wort selbst kommt aus dem Bereich des Wearable Computings. Die Idee dieser Forschungsdisziplin ist es, Computersysteme zu entwickeln, die den Nutzer im Alltag unterstützen, dabei aber bequem und einfach am Körper zu tragen sind.
Mit einem Wearable werden Daten des Körpers zusammen mit anderen Daten wie z.B. Zeit, Standort,... mittels Sensoren oder Kameras erfasst, aufgezeichnet, analysiert und dokumentiert sowie teilweise mit anderen geteilt.

Manche Wearables beherrschen Augmented Reality. Dabei handelt es sich um eine - mithilfe von Computern - erweiterte Wirklichkeit. Grundlage sind Bilder der Aussenwelt, die über Smartphones und Datenbrillen angezeigt und in die dann Texte und Bilder eingeblendet werden. Anwendung findet diese Technik u.a. bereits in den Bereichen Produktion und Logistik oder bei polizeilichen und militärischen Operationen.

Wesentlich für Wearables sind eine hochentwickelte Sensorik, eine permanente Verarbeitung von Daten und ein akuter Support des Benutzers.

ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN IM ALLTAG
Die Einsatzmöglichkeiten für Wearables sind nahezu unbeschränkt.

Bislang haben sich die folgenden vier Kategorien von Anwendungsfeldern etabliert:

  • Gaming und Lifestyle (z.B. Google Glass)
  • Sport und Fitness (z.B. Puls-, Geschwindigkeits- oder Distanzmesser, smarte Kleindung)
  • Gesundheit / Wellness (z.B. Blutdruckmesser, Kontaktlinsen für Diabetiker).

Datenbrillen
Wer heute nach einer Datenbrillen sucht, findet nicht nur die Google Glass, sondern auch Datenbrillen einiger anderer Hersteller.
In eine Datenbrille lässt sich einiges einbauen wie z.B. Kamera, Sprachsteuerung, Bewegungssensoren, Internetzugang,… So lassen sich Fotos machen, Karten einblenden, Telefonate tätigen und das alles, ohne die Hände voll zu haben, denn das Wearable sitzt direkt auf der Nase. Insbesondere für Gamer sind Virtual-Reality-Brillen interessant, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann.

Smarte Kleidung
In der Vergangenheit hatte Kleidung nur zwei Funktionen: Sie sollte unseren Körper vor Kälte, Hitze oder den Blicken anderer schützen und sie sollte gut aussehen, um unseren Status zu symbolisieren.
Wearables, also wie Kleidung tragbare Computer, werden dieses Spektrum deutlich erweitern.
Ein einfacher Sturz in der eigenen Wohnung kann für einen älteren Menschen lebensbedrohlich werden. Kleidungsstücke, die einen Sturz registrieren und automatisch einen Notruf absenden kann, sind sinnvolle Alltagshelfer.
Handschuhe, die in den Fingerspitzen einen Lautsprecher und ein Mikrofon eingebaut haben, mit denen mittels Bluetooth und Smartphone telefoniert werden kann, erleichtern im Winter oder bei speziellen Arbeiten die Kontaktaufnahme mit der Aussenwelt.

Smart Watches
Smarte Armbänder können 7 Tage die Woche über 24 Stunden unsere Aktivitäten überwachen und Rückmeldung geben. Egal ob tägliche Schrittzahl, Herz- und Atemfrequenz oder unser Schlafprofil: diese Daten sendet das Wearable an unser Smartphone, wo alle gemessenen Werte in einer App dargestellt werden.
Je nach definierter Zielsetzung wird man dann gelobt, ermahnt oder motiviert.
Auch die Vernetzung mit dem Hausarzt, dem Apotheker, mit Freunden oder das Posten der Werte in sozialen Medien ist möglich. So erhält der Nutzer Hilfestellung bei der Optimierung des Trainings und des Tagesablaufes.

EINSATZ IN DER PHARMABRANCHE

Medizinische Wearables in der Rehabilitation

Speziell im Bereich der Rehabilitation gibt es vielversprechende Ansätze, die Therapie mit Wearables zu unterstützten. Ein Beispiel sind intelligente Kniebandagen, die die Ausführung von Übungen überwachen und mit den entsprechenden Trainings-Apps die Rehabilitation protokollieren. Die Trainingsapps enthalten Trainingspläne, die individuell vom Therapeuten für den Patienten erstellt werden. Die Kommunikation erfolgt über eine Plattform, die Arzt, Patient und Therapeuten vernetzt.

Wearables zur Überwachung akuter und chronischer Krankheiten
Gerade für chronische und akute Krankheiten ist das Monitoring von Vitaldaten von besonderer Bedeutung. Hier bieten Wearables mittlerweile für fast jedes Krankheitsbild eine Lösung für die Überwachung im Krankenhaus oder zuhause. Bei Krankheitsbildern wie Herz- und Gefässerkrankungen könnten Wearables beispielsweise in Regionen mit Ärztemangel Vitalparameter von Patienten regelmässig überprüfen, um z.B. Schlaganfällen zu verhindern.

Wearables für Apotheken und Arztpraxen
Für Apotheken und Ärzte eröffnen sich mit Wearables neue Möglichkeiten zur Behandlung des Patienten. Medizinisch zertifizierte Gesundheitsmonitore wie die „Philips Health Watch“ sind als verlässliche Indikatoren einsetzbar. Die Health Watch zeichnet Vitaldaten wie Herzfrequenz, Bewegung oder das Sitz- und Schlafverhalten ohne zusätzlichen Brustgurt auf. Die Daten werden in einer Cloud gespeichert und können auf Wunsch beispielsweise mit dem Apotheker, Arzt und Therapeuten geteilt werden.

KRITIK AN WEARABLES

  •  Die Qualität der Messdaten von ungeprüften Consumer-Systemen wird vielfach in Frage gestellt.
  • Oft ist nicht klar, was mit den erhobenen Daten passiert. Nutzer haben meist keine Kontrolle darüber, wer noch über ihre Daten verfügt und über welchen Zeitraum eine Speicherung erfolgt.
  • Die persönlichen Daten sind auf externen Servern der Anbieter oder in Clouds gespeichert, teilweise ist auch die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Wearable nicht sicher.
  • Manche Wearables ermöglichen das unbemerkte Filmen und Fotografieren anderer. In vielen Fällen ist sich der Dritte nicht einmal bewusst, dass Daten über ihn aufgezeichnet und verarbeitet werden.


MÖGLICHE LÖSUNGSANSÄTZE ZUM UMGANG MIT WEARABLES

  •  «Privacy by Design» kann dazu beitragen, Datenschutzverletzungen bei Wearables bereits im Ansatz zu vermeiden. Beispielsweise hat sich Google in einem Schriftenwechsel mit den Datenschutzbehörden verschiedener Staaten zur Einhaltung des Standards verpflichtet, dass die Aktivierung der Kamera von Google Glass für Dritte optisch erkennbar sein muss.
  • «Softlaw und Selbstregulatoren» = Verhaltenskodex, ähnlich der vom Internet bekannten «Netiquette». In diese Kategorie fallen u.a. Verbote, Wearables an bestimmten Orten zu tragen und einzusetzen. So haben etwa diverse Casinos in Las Vegas entschieden, das Tragen von Google Glass zum Schutz der Privatsphäre Dritter in den Casinos zu untersagen.
     

FAZIT: WEARABLES UND IHRE ZUKUNFT
So vielfältig die Ideen und Innovationen bei Wearables auch sind, so weit sind die meisten noch entfernt von tatsächlicher Serienreife.
Aber eines ist klar, kaum ein Thema regt so sehr die Phantasie an und verspricht so viele Innovationen in den kommenden Jahren wie Wearables – die tragbare Technik. Smart Devices werden zukünftig zum Bestandteil von Kleidung und sogar des menschlichen Körpers selbst.
Neben vielen Vorteilen, die dem Benutzer das Leben vereinfachen können, dürfen die durch den Einsatz von Wearable Devices akzentuierten datenschutzrechtlichen Probleme nicht aus den Augen verloren werden.
Nicht zuletzt ist auch an die «Selbstverantwortung» der Benutzer von Wearables zu appellieren: Bei den Trägern von Wearable Devices muss das Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche datenschutzrechtlichen Probleme sich bei deren Einsatz stellen können und wie damit vernünftig und umsichtig umgegangen wird.   

Es bleibt also extrem spannend, was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen wird!

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