Manchmal verlässt eine Projektarbeit den Status einer akademischen Übung und wird zu etwas Eigenem. Genau das hat die Gruppe rund um TidyUp an der BVS St. Gallen geschafft. Aus einer Projektarbeit in der Höheren Fachschule wurde ein durchdachtes Geschäftsmodell mit App, Marke und Finanzplan. Laura Sacchet, Sebastiana Tobler und Joël Büchel haben gezeigt, was praxisnahe höhere Berufsbildung leisten kann, wenn aus einer Aufgabe echte unternehmerische Energie wird.

Vom Konzept zum Prototyp
TidyUp ist ein digitaler Abholservice für PET, Glas und Aluminium und damit eine Antwort auf eine Lücke im Schweizer Recycling-Alltag. Das Team hat dafür einen funktionalen App-Prototyp entwickelt und an der Präsentation live vorgestellt. Daneben standen ein eigenes Logo, ein durchdachter Markenauftritt und sogar produzierte T-Shirts: Branding von Anfang an mitgedacht. Genau diese Tiefe ist es, die eine starke Projektarbeit von einer guten Idee unterscheidet.
Auch fachlich war die Arbeit fundiert. Das Business Model Canvas ist klar strukturiert, die Marktforschung mit über hundert Umfrageteilnehmenden sauber ausgewertet, und mehrere Szenarien sind transparent durchgerechnet, von Worst-Case bis Skalierung. Die Finanzplanung beruht auf realistischen Annahmen mit klar definierter Preisstruktur und nachvollziehbarer Wirtschaftlichkeit.
Strategisches Denken im Fachgespräch
Im Fachgespräch zeigte sich die unternehmerische Reife des Teams. Viele Fragen wurden mit einem Satz vorweggenommen: «Wir dachten, dass ihr uns das fragen werdet.» Das ist Vorbereitung. Das ist strategisches Denken. Und es zeigt, was die Höhere Fachschule an der BVS leisten will: Studierende befähigen, Probleme nicht abstrakt zu beschreiben, sondern Lösungen mit Substanz zu entwickeln.
Die Erkenntnisse aus der Arbeit sind über die einzelne Projektidee hinaus relevant. Recycling funktioniert in der Schweiz, aber nicht komfortabel genug. Die Digitalisierung im Entsorgungsbereich ist unterentwickelt, in ländlichen Regionen besteht eine echte Marktlücke, und die Zahlungsbereitschaft ist vorhanden, sobald der Mehrwert klar erkennbar ist. Solche Einsichten entstehen, wenn Studierende mit Praxisblick arbeiten und keine Theorie aus dem Elfenbeinturm produzieren. Genau das macht den Unterschied einer berufsbegleitenden HF-Ausbildung an der BVS.
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